Österreichische Skihütten-Kulinarik

Abseits von Jagatee & Pommes

Auf der Sonnenterrasse sitzen, die frische Bergluft genießen oder sich am Kachelofen wärmen: Der Besuch einer Skihütte sorgt für richtiges Winterurlaubsgefühl und rundet jeden Skitag ab. Doch, was kommt auf den Tisch, wenn der Magen knurrt? Wer glaubt, in den Skihütten werden nur Jagatee und Pommes serviert, der irrt. Selbst in luftigen Höhen schwingen Meisterköche den Kochlöffel.

Ein Paradebeispiel ist Tirol mit seinen 1.280 Hütten. Allen voran die Galzig-Verwallstube am Arlberg, mit 2.185 Metern das höchst gelegene Zwei-Hauben-Lokal der Welt. Besonders die gebotenen Fischspezialitäten von Karl Strohmaier haben die Feinschmecker-Oase über die Grenzen Österreichs hinaus bekannt gemacht. Ein Geheimtipp ist Annemarie Foidls Weinkeller auf der Angerer Alm. Ihre Sensation ist ein Madeira Jahrgang 1795. Ab dem Jahrgang 1875 wird der Edeltropfen auch im Glas angeboten. Abends komponiert Annemarie Foidl mit ihrem Mann ein fünfgängiges Menü. Was auf den Teller kommt, erfährt man allerdings erst, wenn sie die Kerzen am Tisch anzündet.

Spezialitäten & Raritäten
In der Rüsselheimer Hütte im hinteren Pitztal verleiht das Steinbockgulasch der Speisekarte den letzten Pfiff. Die Tiere sind in diesem Gebiet angesiedelt worden und vermehren sich dermaßen gut, dass sie geschossen werden dürfen. Wer lieber etwas Fleischloses essen möchte, kann sich einen „Melchermuas“ bestellen. Der Melchermuas ist eine typische Zillertaler- und Tuxer-Spezialität, bestehend aus Alpenmilch, Butter und Mehl, gekocht über dem offenen Feuer in einer Eisenpfanne. Nach alter Sennertradition produzieren die 18 Almkäsereien im Gailtal würzigen Almkäse. Dieser passt zu einer Jausn von Hiasls Zirbenhütte mit Speck, Hauswurst, Bauernbrot und Butter. Richtig eingeheizt wird mit Glühmost.

Süße Schmankalan
Der Duft von Zimt und Bratäpfeln lässt das Herz der skifahrenden Naschkatzen höher schlagen. Bei ihnen stehen Kaiserschmarrn und süße Kärntner Schmankalan hoch im Kurs. Kletzennudeln, Nudeltaschen mit gedörrten Birnen, werden serviert mit flüssiger Butter, Zimt und Zucker. Aber auch Dampfnudeln mit Honigschmalz oder Bauernkrapfen sind eine kleine Sünde wert. Immer Saison haben auf den über 200 Kärntner Skihütten Kasnudeln (Nudeltaschen gefüllt mit Topfen) oder der Reindling.

Unterlage für den Apres-Ski-Spaß
Othmar Purkhard kocht in der steirischen Kriemandlhütte auf. Sein kulinarisches Meisterstück: Der Kriemandl-Saibling aus dem Krallersse, mit Gemüse und Kartoffeln, angebraten in Mandelbutter. Am Stuhleck auf der Schwaiger Hütte serviert man den Hexenkessel: ein deftiger Eintopf mit Fleisch, Bohnen, grünen Paprika. Getoastete Riesenbrote (30 cm lang und 10cm breit) belegt mit Eierspeis, Speck oder Grammerl gibt es in der Futtertrögl im Lachtal. Gleich ein ganzes Spanferkel wird auf Vorbestellung im Naturpark Grebenzen gebruzelt. Der Schnaps danach, am Besten vom ehemaligen Skirennläufer Wolfram Ortner, ist ein Muss.

Das perfekte Skimenü
Das perfekte Skimenü besteht für die meisten aus Tiroler Gröstl, Spätzle, Wiener Schnitzel oder Kaiserschmarrn. Dazu werden Skiwasser, Säfte, Bier/Radler, Gespritzter, Glühwein, (Jaga)Tee und Schnaps getrunken. „Italiener essen viel ausgiebiger und bestellen Vorspeise, Suppe, Hauptspeise und Dessert. Deutsche hingegen essen lieber eine Kleinigkeit“, erzählt Franz Pacheiner, Alpengasthof Pacheiner, Gerlitze. Selbst die treuesten Fast-Food-Fans können den Hütten-Köstlichkeiten nur schwer widerstehen und bestellen spätestens beim zweiten Mal echte Hausmannskost.

Autor: Mag. Anita Arneitz

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