Die Legende von den Cillykugeln

Die Geschichte des Krapfen

Laut kulinarischer Mähr verdanken wir die Erfindung des Faschingskrapfens der Altwiener Hofratsköchin Cäcilie Krapf, genannt Frau Cilly. Ein Blick ins Etymologische Wörterbuch belehrt einen jedoch sogleich eines Besseren.

Ein Schmalzgebäck namens crapho gab es nämlich bereits zur Zeit Karls des Großen. Und Kraphenpacherinnen werden in alten Urkunden schon 1486 erwähnt.

Doch weder Karolinger noch Habsburger dürfen das Urheberrecht für den heutigen Faschingskrapfen wirklich für sich in Anspruch nehmen. Ein ganz ähnliches Brauchtumsgebäck wie der Faschingskrapfen wurde nämlich auch schon von den Römern bei ihren ausschweifenden Frühlings-Bacchanalien gebacken und in rauhen Mengen verzehrt. Fest steht also lediglich, daß der Krapfen schon in der Antike ein klassischer Begleiter ausgelassener Feste war und es bis heute geblieben ist.

Wie paßt der Krapfen aber nun mit seiner vermeintlichen Namenspatronin Cäcilie Krapf zusammen? Ihre "Erfindung" waren die aus den uralten Krapfenrezepten abgeleiteten "Cillykugeln", die eigentlichen Vorbilder für unsere heutigen Faschingskrapfen, mit denen zu Beginn des 19. Jahrhunderts die Hofbälle auf die bezauberndste Weise versüßt wurden. Und zwar mit so durchschlagendem Erfolg, dass allein im Kongreßjahr 1815 an die zehn Millionen Krapfen bei offiziellen Empfängen und Bällen verspeist wurden.

Aus der ersten Blütezeit dieser Köstlichkeit stammt übrigens auch jene berühmte Stelle der 1804 erschienenen Eipeldauer-Briefe, darin zu lesen steht: "Wenn ich’s aber auch vergessen wollt’, daß wir noch im lustigen Fasching sind, so würden mich schon d’Krapfen dran erinnern." Die Verdienste der Wiener Hofköchin um den Faschingskrapfen sind also unumstritten, man könnte fast sagen: Er verdankt ihr fast alles, nur nicht den Namen. 

Verfolgt man das Copyright des Krapfenbackens nämlich noch weiter zurück als bis zu den mittelalterlichen Kraphenpacherinnen und alten Römern, so stellt man fest, daß, die alten Griechen der Göttin Ceres Krapfen als Opfer darbrachten. Dass sie dieselben bereits in einem Fett gleichen Namens ausgebacken haben sollen, ist allerdings ein Gerücht. Kein Klatsch ist allerdings, daß die Krapfen schon seit Jahrhunderten im Gefolge jeglichen Karnevalsvergnügens auftreten. Der meistersingende Schusterpoet Hans Sachs hat 1540 sogar ein eigenes Fastnachtsspiel verfaßt, das bezeichnenderweise den Titel Das Krapfenholen trägt und in die Verse mündet:

Ich hab zu Fastnacht euch hergeladen, Daß ich euch Kuchen holt und Fladen. Und heut mit mir wollt Fastnacht halten Dem Brauche nach dem guten alten.

Autor: Christoph Wagner

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