Gut gerollt ist halb gewonnen…

Soul Rolls

Wir geben's zu: Wir sind rollig… Gerade eben haben wir nämlich noch fröhlich kunterbunte "Bowls" gelöffelt, da hat uns urplötzlich der neueste Zungenbrecher-Food Trend überrascht: "Soul Rolls"! Seitdem rollen wir alles, was uns in der Küche unterkommt: Denn Soul Rolls sind zum Niederknien köstlich und zudem praktisch und abwechslungsreich wie schon lange kein Food Trend mehr vor ihnen. Und Sie? Kochen Sie noch oder rollen Sie schon?

Soul Roll: Das Original
Wie der Name bereits erahnen lässt, handelt es sich bei der "Soul Roll" um sogenanntes Soul Food. Heutzutage verstehen wir unter "Soul Food" hauptsächlich Speisen, welche uns glücklich machen, uns ein Gefühl der Entspannung und Geborgenheit schenken und dadurch Stress reduzieren. Die Herkunft des Soul Food hingegen ist eine Geschichte mit durchaus bitterem Beigeschmack, geht der Begriff "Soul Food" ursprünglich doch zurück auf die traditionellen Essgewohnheiten der afroamerikanischen Bevölkerung im Süden der USA, insbesondere zu Zeiten der Sklaverei. Damals mussten sich die Leute überwiegend mit äußerst minderwertigen Lebensmitteln, unter anderem den Resten der "Herrenhäuser", zufriedengeben, wie beispielsweise Fleisch-, Gemüse und anderen Essensresten. Um diese qualitativ "schlechten" Zutaten aufzuwerten, wurden die Speisen größtenteils mit sehr viel Fett und Zucker zubereitet – nicht zuletzt aber auch, um sich mit einem guten, reichhaltigen Essen vom oftmals tristen Alltag abzulenken. Spuren all dieser Faktoren (gerade Zucker und Fett!) finden sich bis heute in typischem Soul Food - und die klassische "Soul Roll" (auch: "Soul Food Egg Roll") vereint sie alle: Sie setzt sich wahlweise zusammen aus Fleisch(-resten), Kohlblättern, Bohnen, Reis, Mais, Gewürzen und etwas Käse; allesamt straff eingewickelt in Frühlingsrollenblättern und in reichlich Fett knusprig frittiert.

Die moderne Soul Roll
Weil allerdings im Zuge brandaktueller Food Trends bekanntlich noch kein klassisches Gericht vor der geschmacklichen Experimentierwut begeisterter Food Lover sicher war, wurde auch die Soul Roll, obwohl erst so kurz im "kulinarischen Rampenlicht", bis dato bereits drastischer Weiterentwicklungen und Abwandlungen unterzogen. Erster Schritt hierbei war die großzügige Erweiterung des Begriffs "Soul Roll": So darf sich mittlerweile alles, was schmeckt, glücklich macht und handlich zusammengerollt ist, stolz als "Soul Roll" bezeichnen. Innerhalb kürzester Zeit entstanden so schier grenzenlose, "rollige" Kombinationsmöglichkeiten – unseren kulinarischen Phantasien und Gelüsten sind hier keine Grenzen gesetzt! Vom Salatblatt bis zum Palatschinkenteig, Tortillafladen oder Strudelblatt, vom Schinkenstreifen bis zur Lachsscheibe oder dünn gehobelten Gemüsestreifen kann von Reis bis Pasta, über Blütenblatt und Frühstücksei bis Fleischlaberl alles gerollt werden, wonach Ihnen der Gusto steht.

Alles, was Sie tun müssen, um auch ihre Lieblingspalatschinke oder Omas beste Biskuitroulade in die Riege der "Soul Rolls" aufnehmen zu können, ist, diese klein und handlich zu rollen, sodass sie jederzeit "on the go" verspeist werden können...

Während ihre "Urahnin", die klassische Soul Roll, also noch deutlich geprägt von eher praktischen, der tristen Vergangenheit geschuldeten Gründen, ist, steht bei der modernen Soul Roll der heutige Aspekt des vielgeliebten "Soul Food" im Vordergrund: Glücklich soll es machen, praktisch muss es sein, schmecken sollte es und wenn es obendrein noch gesund ist, haben wir auch nichts dagegen…

"Soul’ n’ Roll": Ein Röllchen für unterwegs…
Nach Bowls nun also Rolls - soweit, so g’schmackig. Trotz allem bleibt die Frage: Wie kam es zum Hype um die schmackhaften Rollen? Köstlich sind nämlich viele Gerichte – der Genussfaktor allein rechtfertigt also noch lange keinen neuen Food Trend. Allerdings: Soul Rolls bestechen durch einen weiteren, überzeugenden Vorzug - Stichwort: "Meal Prep"! Denn wenn man so will, ist die Soul Roll ein Spiegel unseres Zeitgeists: Unser Alltag wird stetig schneller, für frisches Kochen und bewusste, ausgedehnte Essenspausen haben wir sowohl privat, als auch im Job kaum Zeit. Praktische Mahlzeiten "to go", immer und überall essbar, sind gefragter denn je, allerdings sollen Gesundheit und Fitness nicht darunter leiden – und genau hier hat die Soul Roll ihren großen Auftritt! Sie lässt sich ideal vorbereiten, wenn es sein muss (abhängig von den Zutaten) auch wochenlang einfrieren, ist handlich, kompakt und daher fast überall zu genießen und erlaubt beispielsweise auch im stressigen Büroalltag ein vollwertiges, gesundes Mittagessen – denn wie wir ja nun bereits wissen, lässt sich tatsächlich jedes erdenkliche Lieblingsessen ins praktische "Röllchenformat" verwandeln…

Das große Restl-Rollen!
Überdies bieten Soul Rolls einen weiteren, bestechenden Vorteil: Sie sind das ideale Restlessen! Ist vom Sonntagsbraten ein Stückchen übrig geblieben? Haben Sie wieder einmal viel zu viel Reis oder Nudeln gekocht und nun kiloweise im Kühlschrank zwischengelagert? Sind Ihnen besonders große Kohl- oder Salatblätter übrig geblieben? Schmeißen Sie all diese Dinge nicht weg – wickeln Sie Ihre "Restln" einfach in Palatschinken-, Strudel- oder Blätterteig, in Salat- oder Kohlblätter, Tortillafladen, Frühlingsrollenblätter oder glatt gerolltes Toastbrot ein, braten Sie es nach Geschmack ein wenig an und genießen Sie Ihre ganz persönliche Soul Roll-Kreation! Hierbei macht dann nämlich nicht nur der feine Geschmack glücklich, sondern auch das Gewissen, wieder Lebensmittel vor der sicheren Landung im Mistkübel bewahrt zu haben… Soul Rolls sind also nicht nur kulinarische "Glücklichmacher", sondern auch ein praktisches, unkompliziertes, kostengünstiges und - wenn wir ehrlich sind - irgendwie witziges "Restlessen"!

Autor: Maria Lutz / ichkoche.at

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Kommentare1

Soul Rolls

  1. Bachl
    Bachl kommentierte am 26.12.2017 um 15:33 Uhr

    Ja, ist eine gute Idee, um Reste vom Feiertagsessen zu verwerten. Da gibt's etliche Möglichkeiten, noch was Gutes draus zu machen.

    Antworten
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