Im Gespräch mit ichkoche.at

Ernährungsberaterin Andrea Miksch

Andrea Miksch ist diplomierte Ernährungstrainerin und mit Vorträgen, Ernährungsumstellungsprogrammen, Kochkursen und Ernährungsberatungen mit großem Erfolg in der Gesundheitsvorsorge tätig.

ichkoche.at: Frau Miksch, Sie sind Ernährungsberaterin. Wie häufig haben Sie mit Nahrungsmittelunverträglichkeiten zu tun?
Frau Miksch: Sehr häufig. Ca. 1/3 meiner Klienten kommen mit Beschwerden in diesem Bereich.

ichkoche.at: Stellen Sie eine Zunahme fest?
Frau Miksch: Ja, eindeutig.

ichkoche.at: Wenn ja, woran kann das liegen?
Frau Miksch: Zum einen gibt es heute eine höhere Sensibilität für dieses Thema. Zum anderen gibt es ein zu viel an Lebensmittel, die immer und um jeden Preis erhältlich sind. So sind halt Erdbeeren, rund ums Jahr zu kaufen. Dass dies nur mit Einsatz von hohen Mengen an Spritzmitteln und ähnlichem möglich ist, wird leider viel zu wenig beachtet. Zusammen mit der Zunahme von Fertigprodukten und völlig denaturierter Industrienahrung wird unser Körper eben immer mehr belastet.

ichkoche.at: Wie beurteilen Sie den Umgang der Schulmedizin mit Nahrungsmittelunverträglichkeiten, viele Betroffene berichten über lange Irrwege, bis sie endlich die Ursachen Ihrer Beschwerden erforschen können. Die Ärzte sind dabei offensichtlich nicht immer sehr hilfreich.
Frau Miksch: Leider hat die Ernährung im Medizinstudium keinen hohen Stellenwert. Dieses Thema wird zumeist völlig negiert. So kommen eben auch nur wenige Ärzte darauf, die Beschwerden Ihrer Patienten in Richtung NMUs zu betrachten. Es werden eher viele andere Untersuchungen und Tests durchgeführt, bis man auf Nahrungsmittelunverträglichkeiten testet. Ich habe Klienten, die oft jahrelang nicht in diese Richtung diagnostiziert werden.

ichkoche.at: Was ist Ihrer Meinung nach die beste Methode, um Nahrungsmittelunverträglichkeiten auszutesten?
Frau Miksch: Streng wissenschaftlich gesehen, gibt es bei Histaminverdacht einen Bluttest, bei Laktoseverdacht einen Atemtest und bei Fructose einen H2 Atemtest mit Getränk.
Bei Zöliakie wird ein Bluttest angewendet. Die sicherste Diagnose ist die Untersuchung der Darmschleimhaut bei einer Spiegelung mit einer entnommenen Gewebeprobe.

Natürlich gibt es auch die Möglichkeiten der kinesiologischen Austestung oder der Bioresonanz, von denen ich persönlich sehr viel halte, weil sie den Menschen ganzheitlich betrachten. Diese Methoden sind aber von der Schulmedizin nicht anerkannt. Wie ja auch Nahrungsmittelunverträglichkeiten zum Teil nicht oder erst seit kurzem als Krankheit anerkannt werden.

ichkoche.at: Wie beurteilen Sie die vielen „neumodischen“ Schnelltests?
Frau Miksch: Diese sehe ich extrem kritisch. Meist steht dahinter keine fundierte Ernährungswissenschaft. Dem verunsicherten Konsumenten wird hier sehr leicht das Geld aus der Tasche gezogen!

ichkoche.at: Viele der Tester fühlen sich mit den Ergebnissen dann allein gelassen. Was raten Sie diesen Personen?
Frau Miksch: Diese Tests stellen meist ultimative Wahrheiten auf, die in der Gesamtbetrachtung des Menschen, oft gar nicht zutreffen. Wer ein fundiertes Wissen über seine Ernährungsprobleme und die Lösungen dafür erlangen will, sollte mit Hilfe einer professionellen Ernährungsberatung lernen, auf seinen Körper zu hören. Alle Menschen sind verschieden, was dem einen hilft, kann dem anderen schaden. Was mir gut tut, hilft Ihnen vielleicht gar nicht. Im Dschungel der täglich neu aufgestellten Dogmen, ist es nicht einfach den Überblick zu bewahren.

ichkoche.at: Kann man Nahrungsmittelunverträglichkeiten „löschen“ oder ist ausnahmslos lebenslange Diät nötig?
Frau Miksch: Aus strenger Sicht der Schulmedizin: nein. Wohl gibt es für Laktose- und Histamin-Patienten Tabletten, die Erleichterung versprechen. Aber eine dauerhafte Einnahme dieser Medikamente würde ich sehr kritisch hinterfragen und so weit wie möglich auf den Bedarfsfall reduzieren. Natürlich kann man z.B. bei einem Fest oder einem wichtigen Geschäftstermin, bei dem man um „normales“ Essen nicht herumkommt, vorsorglich zu diesen Medikamenten greifen, aber als Dauerzustand ist das ganz sicher nicht ideal.

ichkoche.at: Die Kinesiologie und die Bioresonanz versprechen z.T. aber Heilung bzw. starke Besserung durch Löschung der Allergien.
Frau Miksch: Ich habe viele Erfahrungsberichte von Patienten, denen diese Behandlungen sehr geholfen haben. Wissenschaftlich anerkannt sind sie allerdings nicht. Das ist natürlich auch immer eine Sache des Glaubens und der Einstellung.

ichkoche.at: Wie hoch ist Ihrer Meinung nach der Prozentsatz an ernsthaften Erkrankungen als Folge von nicht erkannten oder nicht behandelten Nahrungsmittelunverträglichkeiten?
Frau Miksch: Das kann ich so exakt in Zahlen nicht sagen. Dass die starke Zunahmen von Allergien und Magen-Darmerkrankungen aber damit zu tun hat, steht sicher außer Frage.

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Autor: Andrea Miksch und Maria Tutschek

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