Von der Korbflasche zum Super-Toskaner

Chianti

Wenn man an Italien denkt, fallen einem sofort Urlaub, Pizza, Pasta und Chianti ein. Italien ist nicht nur Urlaubsland, sondern auch eines der größten Weinländer der Welt.  In Italien wird in fast allen Regionen Wein angebaut und verarbeitet. Eines der berühmtesten Weinbaugebiete Italiens ist die Toskana, welche mit ihrem Chianti die Welt erobert hat.

Das Weinbaugebiet Chianti ist ein wunderschönes Hügelland zwischen Florenz und Siena. In diesem Herzstück- welches geographisch genau festgelegt ist - werden die Chianti Classico DOCG Weine produziert. Die Weine müssen nach exakten Vorschriften vinifiziert werden, damit sie die Herkunftsbezeichnung und das Qualitätssigel (den schwarzen Hahn), sowie das Prädikat Chianti Classico verwenden dürfen. Die Weine müssen aus mindestens 80 % Sangiovese Trauben produziert werden. Die restlichen 20 % können aus den heimischen Trauben Canaiolo, Colorino oder aus den internationalen Trauben Cabernet Sauvignon und Merlot stammen.

Der Mindestalkohol bei Chianti liegt bei 12 % und bei Reserva Qualitäten bei 12,5 %.

Der maximale Hektarertrag darf nicht mehr als 5000 Liter Wein betragen und die Rebstöcke müssen ein Mindestalter von 4 Jahren haben.

Der Verkauf von Chianti Classico Weinen startet frühestens am 1. Oktober, also rund ein Jahr nach der Ernte. Die Chianti Classico Reserva Weine reifen mindestens 24 Monate, davon 3 Monate in der Flasche. Der Verkauf der Reservas startet somit rund 2 Jahre nach der Ernte.

Seit der Ernte 2006 ist es untersagt, dem Chianti Weißweine beizumengen, was in den 80er Jahren durchaus gängig war und eine neue Entwicklung in Weinlandschaft Italiens gebracht hat.

Im Weingesetz war, so wie heute auch, die Produktion von Chianti genau festgelegt. Damals war es untersagt, einen Wein aus z. B. 100 % Sangiovese zu produzieren und diesen Wein als Chianti Classico zu bezeichnen. Dies war die Geburtsstunde der Super-Toskaner-Weine, welche jedoch als „Vino da Tavola“, also Tafelwein, welche die niedrigste Stufe in italienischen Weingesetz darstellt, auf den Markt gekommen sind, da es zum damaligen Zeitpunkt keine andere Möglichkeit gab.

Verwirrung herrschte am Markt: Die strohumflochtenen Flaschen (Korbflasche), also unsere geliebten Urlaubsmitbringsel der 80er Jahre, die sogenannten „ Fiasco“ (diese Bezeichnung beschreibt auch den Flascheninhalt wunderbar), standen plötzlich neben Weinen, die ebenfalls ein Tafelwein waren, jedoch zu sehr stolzen Preisen verkauft wurden.

Bereits 1971 produzierte das Weingut Antinori einen Wein aus 100 % roten Trauben, der unter dem Namen „ Tignanello“ auf dem Markt kam und revolutionierte dadurch den Weinbau. Diese „ neuen“ Weinstile entsprachen nicht den DOC-Vorschriften, da diese mit damals nicht heimischen Trauben, wie z. B. dem Cabernet Sauvignon zu einem Cuvée vinifiziert wurden. Die Super-Toskaner wurden von der Weinwelt fast verschlungen, es wurden unglaubliche Preise dafür bezahlt, die Bewertungen der Weinjournalisten überschlugen sich. Es dauerte jedoch einige Jahre bis eine neue Klassifizierung für diese Weine gefunden wurde. Mit der Schaffung der IGT (Indicazione Geografica Tipica) erhielt der Landwein eine neue Stufe und diese IGT-Weine können die Bezeichnung der Region und der Rebsorte tragen.

Über lange Zeit hindurch wurden die Super-Toskaner mit der Bezeichnung IGT auf den Markt gebracht. Mittlerweile hat sich jedoch mit den neuen Richtlinien und Vorschriften für die Herstellung von Chianti Weinen das Qualitätssigel DOCG wieder durchgesetzt.

Ein Wein mit der Bezeichnung Chianti DOCG ist der einfachste Chianti am Markt. Die Weingärten liegen entweder außerhalb der Kernzone, oder der Wein erfüllt die Kriterien für Chianti Classico nicht. Die Chianti Classico DOCG bezeichnet Weine, welche aus dem Ursprungsgebiet stammen und alle Anforderungen erfüllen. Das Konsortium Chianti Classico hat die Schutzmarke „Gallo Nero“ (schwarzer Hahn) ins Leben gerufen und dieser „Gallo Nero“ am Flaschenhals bürgt für die Qualität und Herkunft des Weines.

Mehr zu unserer Weinakademikerin und Diplom-Käsesommelière Elisabeth Eder

Autor: Elisabeth Eder

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