Was der Kürbis mit Politik zu tun hat ...

Steirische Kernspaltung

Wenn im steirischen Preding gewählt wird, dann verblasst jeder Nationalratswahlkampf zum schüchternen Schlagabtausch. Unter Berufung auf eine alte Legende wird in der kleinen oststeirischen Ortschaft nämlich alle drei Jahre der "Kürbisbürgermeister" durch ein höchst seltsames Wahlverfahren inthronisiert.

Die Kandidaten für dieses ehrenvolle Amt sitzen unter einem Baum rund um einen Tisch voller Maisbrei. Der in der Baumkrone sitzende Gemeindediener lässt auf Kommando einen Kürbis von oben auf den Tisch platschen, und jener "Politiker", der davon die meisten Spritzer abbekommt, ist der kommende
Predinger Kürbisbürgermeister.

Der Kürbis, der für dieses fleckenträchtige Ritual verwendet wird, ist nicht irgendein Kürbis, sondern ein Ölkürbis der Sorte Cucurbita pepo, exakt: "Cucurbita pepo L. convar. pepo var. styriaca GREB", und somit eine echte Rarität in der großen, weltweit rund 800 Sorten umfassenden Kürbisfamilie.

Kaum zu glauben, dass das heute so begehrte Kürbisfleisch noch vor gar nicht so langer Zeit fast ausschließlich an die Schweine verfüttert wurde. Auch das lange Zeit als "steirische Wagenschmiere" belachte Kürbiskernöl gelangte erst im Laufe des 20. Jahrhunderts vom Arzneischrank, wo es als billiges Hausmittelchen gegen Blasenleiden aufbewahrt wurde, in die Speisekammer, in der es nunmehr zu einer unentbehrlichen Zutat der steirischen Kochkunst geworden ist und mittlerweile auch in Delikatessenläden zwischen Hamburg, Berlin, London und New York zu Höchstpreisen notiert.

Der steirische Kürbis hat Karriere gemacht!

Die besten Kürbisrezepte

Autor: Christoph Wagner

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