Ein himmlisches Vergnügen

Zuckerwatte

In der Adventszeit kommen Naschkatzen voll auf Ihre Kosten. Nicht nur Vanillekipferl, Rumkugeln und Co sorgen für einen ordentlichen Zuckerschub, auf den Weihnachtsmärkten führen Zuckerwatte mit der geballten Kraft von Aromen und Farben in Versuchung.

Ein Bummel über den Weihnachtsmarkt kann anstrengend sein - das Gedränge, das Geschupse, der Lärm - doch plötzlich weht einem ein vertrauter Duft in die Nase: Zuckerwatter. Man ist wieder Kind und die Adventszeit die aufregendste Zeit im Jahr.

Gerüche können verzaubern, das wissen wir längst. Und erwärmter Zucker hat seinen ganz eigenen, warmen Geruch, unverwechselbar und unwiderstehlich. Zucker kann kaum jemand widerstehen, wir mögen ihn auf Anhieb, sobald wir das erste Mal damit in Berührung kommen. Kein Wunder also, dass wir uns gerne an unsere erste Zuckerwatte zurück erinnern, dieses bisschen weiche, seidige, aromatische Luft.
Kaum zu glauben, dass sie nur aus ein bis zwei Esslöffeln Kristallzucker und etwas Aromastoffen hergezaubert wird. Selbst die Kalorien halten sich bei diesem kindlichen Vergnügen zurück: ca. 20 bis 40 Kcal sind weit weniger, als in den meisten Keksen oder Kuchen steckt.

Erfunden wurde Zuckerwatte 1897 von zwei Amerikanern, die sie auf der Weltausstellung 1904 in St. Louis präsentierten. Die Idee ist dabei so simpel wie bestechend: etwas Kristallzucker wird so lange erhitzt, bis er sich verflüssigt und dann permanent im Kreis gedreht. Durch die Rotation wird die zähflüssige Masse durch winzige Öffnungen in die äußere Schale geschleudert. Dabei kühlt der Zucker extrem schnell wieder ab und beginnt Fäden zu ziehen. Diese werden auf einem Stöckchen aufgewickelt - fertig ist der Kindertraum. Kommt Zuckerwatte allerdings mit Feuchtigkeit in Berührung, dann verfilzt die Watte und fängt wieder an zu kleben.
Zucker bleibt Zucker bleibt Zucker - nur der Agrazustand ändert sich. Die entstehenden Fäden sind nicht kristallin wie die Ausgangssubstanz, sondern amorph. Daher sind sie weich wie Watte. Dieser watteähnlichen Konsistenz verdankt die Zuckerwatte auch ihren Namen.

Wer kleine und große Kinder zu Weihnachten oder Silvester überraschen möchte, der bekommt in fast jedem Elektrogeschäft bereits Zuckerwattemaschinen preisgünstig angeboten. Die Geräte sind natürlich nicht mit denen auf Adventmärkten zu vergleichen, tun aber ihren Dienst. Die Köpfe der kleinen Maschinen verkleben schneller, so dass sie meist schon nach drei, vier Stück gesäubert werden müssen. Das geht allerdings rascher und einfacher als man annimmt, so dass nach kurzer Unterbrechung bereits wieder munter gesponnen werden kann.

Die Grundzutat für das flauschige Vergnügen hat jeder zuhause: Kristallzucker. Man kann natürlich fertige Aromen für Zuckerwatte kaufen, aber eigentlich ist es viel lustiger, seine Fantasie spielen zu lassen und seine ganz persönliche Zuckerwatte zu kreieren. Das beginnt bei der Zugabe von Vanillezucker, Zimt oder Aromastoffen, wie man sie bei Kuchen und Torten verwendet und endet bei der Zugabe von Alkoholischem für die erwachsene Variante. Auch Lebensmittelfarben verleihen dem ganzen einen individuellen Touch. Wichtig ist nur, dass der Zucker bei der Verwendung ganz trocken ist, daher am besten die Mischungen ein paar Tage vorher zubereiten und trocknen lassen.

Wer seine Gäste ganz besonders überraschen möchte, für den haben wir noch einen ausgefallenen Tipp: mischen sie in den Kristallzucker etwas Goldstaub und verzaubern sie so ihre Gäste.

Fazit: Selbst gemachte Zuckerwatte ist billig, sie ist vor allem aber frisch und schmeckt noch um einiges köstlicher als vom Adventmarkt. Man kann sie individuell abschmecken und Erwachsene haben mindestens genauso ihren Spaß daran wie Kinder.

Autor: Mirjam Reither

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