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Die Welt des Tees

Tee ist ein heißes Aufgussgetränk, das aus Pflanzenteilen (Blättern, Knospen, Blüten, Stängeln u. Ä.) zubereitet wird. Streng genommen ist Tee ausschließlich der Aufguss der Teepflanze Camellia sinensis (deren alter Name Thea sinensis immer noch häufig gebraucht wird). Dieser Aufguss wird als Schwarztee bzw. Grüntee bezeichnet.

Aufgussgetränke aus anderen Pflanzen (Kräutertee oder Früchtetee) werden in der deutschen Umgangssprache auch häufig einfach nur als Tee bezeichnet, korrekt heißen sie aber teeähnliche Getränke.

Tee ist seit langer Zeit ein beliebtes Getränk. Rooibos sowie Grüne und Weiße Tees rangieren ganz oben auf der Hitliste. Da könnte man glatt vergessen, dass es daneben auch noch viele andere wohlschmeckende Sorten gibt. Schwarztees und Oolongs zum Beispiel. Und natürlich last but not least die Kräutertees.

Hätten Sie gewusst, dass zum Beispiel grüner und schwarzer Tee von ein und derselben Teepflanze stammen? Der Unterschied zwischen den sechs Hauptsorten (weißer, grüner, schwarzer, aromatisierter, gepresster und Oolong) liegt lediglich in deren Verarbeitung.
Dank vieler Varianten gibt es aber weltweit bis zu 3.000 verschiedene Teesorten.

Der chinesische Kaiser Shen-Nung, der wegen seiner Tapferkeit von Feinden gefürchtet und von seinen Untertanen aufgrund seiner Güte verehrt wurde, pflegte am Morgen nur gekochtes Wasser zu trinken. Als er aber eines Tages vor rund 5000 Jahren ein paar vom Wind verwehte Teeblättchen darin entdeckte und zögernd davon kostete, wollte er fortan kein pures Wasser mehr zu sich nehmen. So erzählt uns eine der Legenden aus China.

Eine japanische Legende weiß von einem buddhistischen Mönch namens Daruna oder auch Bodhidharma zu berichten. Erbost über den Schlaf, der ihn beim Meditieren zu überwältigen drohte, soll er sich beide Augenlider abgeschnitten haben. Nachdem er diese vor sich auf den Boden geworfen hatte, seien an der Stelle zwei Teesträucher gewachsen. Als der Mönch davon gekostet hatte, habe er sich derart erfrischt gefühlt, dass er von nun an stundenlang vor sich hinsinnen konnte, ohne einzuschlafen.

Es ließen sich noch viele derlei mündlich überlieferter Teegeschichten erzählen - mehr oder weniger glaubwürdige. Die erste schriftliche Aufzeichnung des chinesischen Gelehrten Lu-Yu über das legendäre Kraut aus dem Reich der Mitte und die Art seiner zeremoniellen Zubereitung stammt aus dem Jahre 780 nach Christi. Dem größten Teekenner seiner Zeit und Schutzpatron der Teehändler ist die Verbreitung des Tees zumindest in China zu verdanken. Er schuf mit seinem dreibändigen Werk Chá-Ching sozusagen ein "Gesetzbuch des Tees". Außer Salz lehnte er alle Zugaben zum Tee ab. Weder Reis noch Gewürze, Milch, Fett oder Zwiebeln erlaubte der Meister. Auch in Japan kannte man den Tee bereits im ersten Jahrtausend. Schon 729 n. Chr. bot Kaiser Shomu seinen Gästen das edle Getränk an. Und der japanische Reisende Eizai-zenjis brachte es während der Sung-Periode (960–1280) aus China mit nach Japan. Seither wird einer der besten Tees der Welt in der Gegend des Tempel-Heiligtums Kyoto angepflanzt.

"Tee ist viel besser als jede Form von Alkohol"
Bevor der Tee jedoch im Westen populär wurde, sollten noch einige Jahrhunderte vergehen. Um das Jahr 900 brachte ein arabischer Handelsreisender zum ersten Mal die Kunde vom bisher unbekannten China-Getränk nach Europa. Der bekannte venezianische Kaufmann Marco Polo (1254-1323) soll seinen Zeitgenossen von der Absetzung eines chinesischen Finanzministers infolge einer übertriebenen Erhöhung der Teesteuer im Jahre 1285 berichtet haben. Allerdings findet sich in seinen Büchern keine Stelle, die dies auch nur annähernd belegen könnte. Eindeutig hingegen ist die Erwähnung des Tees in einem Brief eines portugiesischen Missionars aus dem Jahre 1565. Er schreibt: "Der Tee ist viel besser als jede Form von Alkohol. Das Wasser sollte nur so lange auf dem Tee bleiben, als unsere Brüder das Miserere beten." Aber erst 1610 traf an Bord eines Schiffes der Holland-Ostinidien-Kompanie die erste Teeladung aus Macao/China in Europa ein. Etwa um 1670 bemächtigte sich die wenige Jahre zuvor gegründete British East India Company aufgrund umfangreicher britischer Kolonien des ersten Tee-Monopols. Und in Ostfriesland konnte sich sogar eine eigene Teekultur entwickeln.

Tee wird zum britischen Nationalgetränk
Sogar wenn Skeptiker wie Henry Saville und Jonas Hanway kein gutes Haar an dem fernöstlichen Kraut ließen – "Die Männer verlieren durch seinen Genuss die Gestalt und Wohlbildung, die Frauen ihre Schönheit ...", proklamierte zum Beispiel Hanway in seinem "Essay on Tea" 1765 –, konnten sie den Aufstieg des exotischen Aufgusses zum britischen Nationalgetränk nicht aufhalten. Zunächst noch in Kaffeehäusern dargeboten, wurde er später in ausgewiesenen Teehäusern mit dünnem Brot und Butter eingenommen. Aber auch in so genannten Teegärten genoss man das außergewöhnliche Getränk. Eine der bekanntesten Anlagen dieser Art war zweifellos Vauxhall in London. Mit seinen verschlungenen Pfaden, Wasserspielen, Sträuchern und versteckten Lauben bot es die gewünschte Ruhe beim Teegenuss.

Auch heute noch ist England bezüglich des Teekonsums in Europa die Tee-Nation par excellance. Der englische Schriftsteller Samuel Johnson (1704–1784) soll das wohl immer noch zutreffende Charakteristikum eines englischen Teetrinkers geprägt haben: "Ich bin ein hartgesottener, schamloser Teetrinker, der sich mit Tee den Abend verschönert, beim Tee um Mitternacht Trost sucht und mit Tee den Morgen begrüßt."


Autor: Jürgen Ehrmann

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