Trotz großen Nutzen umstritten

Politische Diskussion rund um Stevia

Stevia ist ein hervorragender Ersatz für künstliche Süßstoffe und herkömmlichen Zucker, gerade in Zeiten, in denen wir uns alle viel zu süß ernähren.

Allerdings war, trotz mehrmaligen Anträgen, Stevia zum Verzehr in der EU nicht zugelassen. Ab Dezember 2011 wird sich das, wenn auch mit einigen Einschränkungen, nun ändern.
Mehr Infos zur Zulassung von Stevia

In den USA, Südamerika, Australien und Asien, boomt das Kraut geradezu. In manchen asiatischen Ländern beträgt der Marktanteil von Stevia bereits 75 Prozent.

Der EU waren bisher zu viele Fragen zur Sicherheit der Inhaltsstoffe offen und das, obwohl längst internationale Studien nachweisen, dass Stevia keine mutagene oder genotoxische Wirkung zeigt. Sogar die Weltgesundheitsorganisation (WHO) ist bereits 2004 zu dem Schluss gekommen, dass man ohne Gesundheitsgefahr ein Leben lang täglich zwei Milligramm Stevia-Süßstoffe pro Kilogramm Körpergewicht zu sich nehmen kann.

Es sieht eher so aus, dass Herstellern von synthetischen Süßstoffen und der Zuckerindustrie das Konkurrenzprodukt Süßkraut nicht geheuer ist und daher massiv Lobbying gegen Stevia betrieben wird. Mit ernstzunehmenden wissenschaftlichen Studien hat das Verbot also kaum etwas zu tun.

Auch wenn Stevia als Nahrungsmittel offiziell nicht zugelassen war, wird es bei uns längst verwendet. Über Internet, Apotheken oder Bioläden sind die getrockneten Blätter als Badezusatz, Schönheits- oder Nahrungsergänzungsmittel erhältlich oder man kann die Inhaltsstoffe als Pulver oder Tabletten bestellen. Achten sollten Sie beim Kauf auf beigemischte Zusatzstoffe.

Wie viele ÖsterreicherInnen damit längst ihre Kuchen backen weiß daher niemand. Übrigens ist der private Anbau oder das private Kochen mit Stevia völlig legal.

Nutzen
Von den Ureinwohnern Südamerikas wurde Stevia auch als Medizin verwendet. Die positive Wirkung des Süßkrauts ist inzwischen gut erforscht und dokumentiert. In Studien konnte blutdrucksenkende, blutzuckersenkende, antimikrobielle und gefäßerweiterte Eigenschaften beobachtet werden.

Die angeblich in einer früheren Studie nachgewiesene Einbuße der Fruchtbarkeit bei Ratten bezieht sich auf extrem hohe Dosen von täglich mehr als die Hälfte des eigenen Körpergewichts an frischen Stevia-Blättern. Ersetzt man die durchschnittlich tägliche Zuckerdosis eines Österreichers - insgesamt 130 Gramm - mit Stevia, käme man auf etwa ein halbes Gramm.

Gerade für Diabetiker ist Stevia gut geeignet, da es den Blutzuckerspiegel nicht erhöht. Seine antimikrobielle Wirkung wiederum beugt Karies vor und ist daher sehr zahnfreundlich. Ganz zu schweigen von der geringen Kalorienmenge und der wesentlich höheren Süßkraft, die es Naschkatzen erlaubt, ihrer Leidenschaft zur frönen und trotzdem die schlanke Linie zu behalten.

Davon dass die EU Stevia nun, wenn auch vorerst nur eingeschränkt, als Nahrungsmittel frei gibt, profitiert nicht nur der Privatverbraucher davon, auch die Nahrungsmittelindustrie zeigt sich hochinteressiert an dem pflanzlichen Süßstoff, der bald künstliche Süßstoffe in Getränken, Brotaufstrichen, Süßwaren und selbst Zahnpasta ersetzen könnte. Die beiden großen Marken Pepsi und Coca-Cola arbeiten bereits seit einger Zeit an Biolimonade gesüßt mit Stevia.

Deutscher Förderkreis zur Bekanntmachung von Stevia: www.freestevia.de

Autor: Mirjam Reither

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Kommentare1

Politische Diskussion rund um Stevia

  1. Uttenhofen
    Uttenhofen kommentierte am 08.04.2015 um 11:55 Uhr

    Wir nutzen überwiegend Stevia, da ein Diabetikerhaushalt (Typ I & II). Bei dem "normalen" Süßstoff merkt der Besuch oft, dass man anders gesüßt hat. Bei Stevia bislang nicht... Besonders, wenn man mischt, da Stevia leicht bitter wird, wenn man zuviel nimmt. Einfach ein paar Spritzer Flüssigsüßstoff und schon merkt keiner, dass da kein Zucker drin ist. Ehrlich!

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