Ein komplexes Thema

Neuverkorken

Das Thema „Neuverkorken von Weinen“ ist heftig umstritten und unglaublich schwierig in der Durchführung.

Denn nur ein paar Weingüter bieten ihren Kunden diese Serviceleistung an. So machte im Herbst 2008 das australische Weingut Penfolds in Deutschland einen kurzen Stopp und bot den Penfoldsweinfreunden ihre „ Recorking Clinic“ an.
Mach ein bordelaiser Château verkorkt die Raritäten der Kunden ebenfalls neu. In allen anderen Weinbauländern wird diese Dienstleistung kaum angeboten. Die Erklärung ist eigentlich ganz einfach: Denken Sie nur an die Schwierigkeiten der Abwicklung und Durchführung. Weingüter, wie Penfolds, haben das nötige Equipment und reisen damit rund um die Welt. Für kleinere Winzer ist dieser Aufwand nicht finanzierbar und praktikabel.

Wann spricht man von einem Altwein, der neu verkorkt werden soll?
Die Meinungen darüber klaffen stark auseinander. In Bordeaux werden Weine nach 25 bis 30 Jahren als gereifte Weine beziehungsweise als Altweine bezeichnet, die Australier bieten das Neuverkorken für Weine bereits ab einer Mindestlagerzeit von 15 Jahre an.

Optimale Lagerung schützt
Optimalen Schutz gegen Neuverkorkung ist nur durch eine fachgerechte Lagerung möglich. Wenn ein Wein altern soll und darf, müssen die Lagerbedingungen einfach perfekt sein.

Die konstante Lagertemperatur zwischen 8° und 14 °C bildet die Voraussetzung. Der Lagerort muss dunkel sein, keine direkte oder indirekte Beleuchtung der Weinflaschen. Liegende Flaschenlagerung schützt den Korken vor dem Austrocknen.
Heutzutage sind viele alternative Flaschenverschlüsse auf dem Markt, diese können natürlich auch stehend gelagert werden, aber wer weiß schon von jeder Flasche Wein in seinem Keller, welchen Verschluss diese hat. Somit ist die liegende Aufbewahrung noch immer am sichersten.

Um das Austrocknen der Korken zu verhindert, ist weiters ein Luftfeuchtigkeitsgehalt zwischen 70 % und 80 % im Keller zu empfehlen. Der Lagerraum sollte erschütterungsfrei sein, was in Österreich nicht wirklich ein Problem ist.

Ein entscheidender Punkt, der alle Weinfreunde betrifft sind geruchsfreie Lagerräume. Im Weinkeller lagert nur Wein und sonst nichts! Weine verändern sich im Laufe der Zeit, sie atmen durch den Korken, starke Gerüche wie Heizöl beeinträchtigen die Weine bei ihrer Reifung und verändern das Bouquet.

Hinweise bei Flaschen, welche neu verkorkt werden sollten
Je länger eine Weinflasche gelagert wurde, desto wahrscheinlicher treten Probleme mit den Korken auf.
Sichtbare Probleme sind alle Anzeichen des Auslaufens, sinken des Füllstandes und Hinweise auf die Undichtheit beziehungsweise Veränderung des Korken.

Das Auslaufen von Wein steht einerseits mit dem Alter des Korken und andererseits mit der falschen Lagerung in Verbindung. Bei jüngeren Weinen ist meistens die Lagerung die Ursache. Durch das Auslaufen verliert die Weinflasche an Füllstand und somit erhöht sich die Gefahr der Oxidation des Weines. Oxidation ist ein Qualitätsverlust und führt den Wein an sein „Genussende“.

Vollständig durchwässerte Korken sind ebenfalls die Folge für den Verlust des Flascheninhaltes. Wenn nun eine Flasche diese Anzeichen zeigt, sollte diese neu verkorkt werden. Besteht die Möglichkeit jedoch nicht, so empfiehlt sich der baldige Genuss dieses Weines. Es macht keinen Sinn diese Flasche weiter im Keller aufzubewahren, da kein Entwicklungspotenzial mehr vorhanden ist.

Ablauf des Neuverkorkens
Die Kapsel der Weinflasche wird entfernt und der Korken und Füllstand überprüft. Ist eine Neuverkorkung notwendig, wird die Flasche entkorkt und verkostet. Stellt sich bei der Verkostung heraus, dass der Wein bereits über seinen Höhepunkt ist oder einen Fehler aufweist, findet keine Neuverkorkung statt.

Bei optimalen Weinflaschen füllt das Weingut den fehlenden Füllstand mit einem gleichwertigen Wein des aktuellen Jahrganges auf. Das kann man sich wie eine „Frischzellenkur“ für den gereiften Wein vorstellen. Es ist äußerst schwierig die Flasche mit dem identen Jahrgang aufzufüllen.

Um den Inhalt vor Oxidation zu schützen, wird vor dem Verkorken noch etwas Schwefeldioxid beigegeben. Eine neue Kapsel und ein Zertifikat für die Flasche bilden den Abschluss des Neuverkorkens.

Interessanter Weise erzielen neu verkorkte Weine beim berühmten Auktionshaus Christie’s höhere Preise, als Wein mit Originalkorken. Voraussetzung ist jedoch das Zertifikat, welches beweist, dass der Prozess des Neuverkorkens vom Produzenten durchgeführt wurde.

Mehr zu unserer Weinakademikerin und Diplom-Käsesommelière Elisabeth Eder

Autor: Elisabeth Eder

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