Alte, geheimnisvolle Klosterküche

Mit Kreuz und Kutte

Franziskanernudeln, Heidensterz, Kapuziner, Kardinalschnitten, Karmelitertorte, Ketzersuppe, Martinigansl, Minoritensuppe, Prälaten-Semmeln oder Weihnachtsstollen – ein großer Teil unserer abendländischen Speisen hat seinen Ursprung in klösterlichen Gemäuern.

Eine Renaissance erleben alte kulinarische Kloster-Geheimnisse und heilige Zubereitungsformen. Abseits der Fasten- und Armenküche wurde in den heiligen Speisesälen vorzüglich geschlemmt. Die Klosterküche präsentierte sich abwechslungsreich und gesund: Fleisch, Fisch, Milch, Getreide, Gemüse, Obst, exotische Zutaten und Gewürze kamen frisch von der Weide oder dem Garten in die Pfanne. Und noch heute wird besonderer Wert auf saisonale und biologisch angebaute Produkte gelegt, das bestätigt Schwester Monika Maria vom Kloster Wernberg. Die Produkte aus dem eigenen Anbau werden hier seit Jahrzehnten im Klosterladen verkauft. Neben Milchprodukten, Getreide und Brot aus der eigenen Hostienbäckerei findet man Außergewöhnliches wie eingelegtem Zucchino nach afrikanischer Art. Scheu vor dem Experimentieren mit Gewürzen & Co. kennen die Schwestern nicht. Im Gegenteil. Bei besonderen Anlässen wird gastronomisch groß aufgekocht - mit Wernberger Mostbraten und Schlosskartoffeln.

Hildegard reloaded
Die heilige Hildegard von Bingen lebte von 1098 bis 1179 am Rhein. Sie gründete zwei Klöster und wurde bekannt durch ihre gesunde Lebensweise sowie ihre umfassenden Kenntnisse in der Kräuterheilkunde. Dinkel, Fenchel oder Edelkastanien waren für sie 100prozentige Lebensmittel mit Mehrwert. Ihre Kenntnisse sind heute moderner denn je. So gibt es im Kloster Wernberg Hildegard Elixiere wie den Herzwein, hergestellt aus Petersilie, Honig, Tafelwein und Weinessig. Der Herzwein hilft bei Entsäuerung, Entgiftung und ist das Universalherzmittel z.B. zur Rehabilitierung nach Herzinfarkt. Der Übergang zwischen Küche, Heilkunde, Gewürz- und Arzneipflanzen ist bei Hildegard von Bingen fließend. Ihre Ernährungsempfehlungen sind Teil ihrer Heilkunde.

Feinste Rezepte
Die gut behüteten Klosterrezepte wurden meist von Küchenchef zu Küchenchef weitergeben. Sie wurden mit viel Zeit und Muse getestet und gekocht. Eile oder Stress kannte man nicht. Unschlagbar kreativ waren die Klosterköche in der Verwertung von Resten. Selbst aus den kleinsten Überresten wurde noch eine Köstlichkeit für die Armen gezaubert. Leckerbissen wie Innereien wurden natürlich nur dem Abt aufkredenzt. Er as feinstes Getränkegebäck, Mönche knabberten am Dinkel- oder Weizenbrot und für Bettler sowie Knechte reichte das Kleie- oder Hafergebäck.

Zur Kräftigung ein Bier!
Vor allem bei den Benediktinern wurde zuerst Wein angebaut und gekeltert. Erst später gelang durch die Kreuzzüge der Hopfen nach Europa und man widmete sich der Braukunst. Im 11. und 12. Jahrhundert war Bier das Kräftigungsmittel in den Klöstern. In Maßen eingesetzt versorgt es den Körper mit Vitamin B2 und B6 und sorgt für schöne Haut, Haare und Nägel. Ein Tipp aus der Klosterküche: den Schweinsbraten im Ofen immer wieder mit Bier übergießen – so wird er knusprig und die Soße bekommt einen feinen Geschmack!

Einige Klosterrezepte zum Ausprobieren:
Semmelschmarrn mit Pflaumenkompott (von Ordensbruder Franz Neuhausen, Benediktinerabtei Rohr)
Käseschnitten (von Schwester Adelgunde Aumüller, Missionsbenediktinerin)
Karpfen mit Mohn paniert
Admonter Triet (Rezept aus dem Stift Admont)

Autor: Anita Arneitz

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