Eine kleine Geschichte des Grillens

Genuss über glühenden Kohlen

Die hohe Kunst der Rôtisserie – also des Bratens über offenem Feuer – ist viel älter als der Gartengrill neuzeitlicher Provenienz.

Was ursprünglich lediglich mit dem Drehen (= Rotieren) eines Bratenstücks über der Glut zu tun hatte, ist bereits im Mittelalter zu höheren Küchenehren aufgestiegen.

Und der Bratrost darf alleine schon deswegen auf eine uralte Tradition zurückblicken, da bekanntlich der hl. Laurentius, seines Zeichens Schutzpatron der Köche, von seinen römischen Peinigern auf einem solchen gegrillt wurde und seinen Henkern der Legende nach zurief: „Vergesst nicht, mich zu wenden, denn ich bin noch nicht durch!“

„Craticulum“ nannten die alten Römer jenes aus Flechtwerk bestehende Röstchen, auf dem wohl schon Äneas und die Seinen ihre Jagdbeute knusprig und g’schmackig brieten. Und auch in König Salomons Tempelküche wurden anlässlich der Eröffnung des Tempels von Jerusalem gezählte zweiundzwanzigtausend Rinder und hundertzwanzigtausend Schafe (1 Könige 8,63) über offenem Feuer auf Drehspießen oder Eisenrosten gegrillt.

Wer Grillspezialitäten liebt, huldigt also keineswegs einer neuzeitlichen Fast- Food-Marotte, sondern vielmehr einer bereits in der Antike wohlbekannten Zubereitungsvariante, die auch dem alten Apicius, dem Ahnvater aller Gourmets, schon bekannt war. Zumindest hat er in seinen um 15 n. Chr. erstmals
aufgezeichneten Kochbuchnotizen eine frühe Form des Grillens beschrieben, wenn er dazu riet, das Fett eines ganzen Vorderschinkens über einem glühenden „vatillum“ (Kohlebecken) bräunen zu lassen, bevor man es anschließend mit Honig bestrich.

Womit Apicius gar nicht viel anders vorging, als man es heute auf der Terrasse tut. Nach dem Motto: Mit guter Fleischqualität, bester Holzkohle, Zeit für eine richtige Glut, pikanten Gewürzen und pfiffigen Beilagen wird jeder Grillabend auch zuhause zum unvergesslichen Fest.

Autor: Christoph Wagner

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