Weinkultur in Österreichs Klöstern

Eine Sünde wert

Weintrauben gepflückt bei Vollmond, alte Kellergewölbe und raffinierte Keltergeheimnisse: seit Jahrhunderten zählen Österreichs Stifte und Klöster zu den wichtigsten Weinkulturträgern.

Im Klosterladen des Stiftes Altenburg werden die Qualitätsweine aus dem Stiftsweingut Limberg am Manhartsberg zur Verkostung und zum Verkauf angeboten. Die besondere Spezialität im Stiftskeller ist neben dem „Prälatenwein“ (Chardonnay Spätlese 2002) der St. Ursula-Wein (Grüner Veltliner 2002), der in der Vollmondnacht des St. Ursulatages gemeinsam mit dem Abt des Klosters, den Mönchen und den Mitarbeitern des Gutshofes geerntet wurde.

Das Freigut Thallern, Weingut des Stiftes Heiligenkreuz bei Gumpoldskirchen, pflegt die Weinkultur seit 1141 und garantiert mit dieser jahrhundertealten Weinkultur erlesene und gepflegte Weine. Kellerführungen werden angeboten im Rahmen von großen oder kleinen Weinseminaren mit Besichtigung der gotischen „ Grangienkapelle" mit dem Barockaltar "Christus am Rebstock", Führung durch den alten Holzfasskeller bei Kerzenlicht und Weinverkostung im historischen Gewölbe. Kulinarische Leckerbissen samt Dichterlesung gibt es an den Bernarditagen im August. In der eigenen Brennerei werden verschiedene Obst-, Wein- und Tresteredelbrände sowie Klosterliköre hergestellt.

Durch den Fund eines 4.000 Jahre alten Weinkorns hat sich das untere Traisental als ältestes Weinbaugebiet Österreichs erwiesen. Im Prandtauer-Keller des Stiftes Herzogenburg in Wielandsthal werden die trockenen Traisental-Weine gekeltert.

Das Stift Klosterneuburg betreibt seit 1114 Weinbau und ist mit einer Weingartenfläche von über 100 Hektar Österreichs größter Weinproduzent. Lagenweine aus Klosterneuburg, Wien, Tattendorf und Gumpoldskirchen werden unter der Bezeichnung „Domäne“ und „Classic“ vermarktet. Neben dem bekanntesten Rotwein des Weinguts, dem Sankt Laurent Ausstich, erlangte der flaschenvergorene Sekt „Mathäi brut“ große Anerkennung. Das Stift besitzt eine drei Stockwerke tief reichende Klosterkellerei in unterirdischen Gewölben, welche beim Bau der Barockanlagen in die Fundamente eingelassen wurden.
Das Stift Kremsmünster ist seit seiner Gründung durch Bayernherzog Tassilo III. mit dem Weinbau verbunden. Kellermeister Pater Kilian Seiringer garantiert heute für sorgfältig ausgebaute, wohlschmeckende Qualitätsprodukte. Mit Stolz wird ein abgerundetes Sortiment von typischen österreichischen Weinen und Sektspezialitäten präsentiert, das einen hervorragenden Querschnitt durch die österreichische Weinbaugebiete Wachau, Kremstal, Weinviertel, Mittelburgenland und Südsteiermark bietet.

Herzog Leopold VI. aus dem Haus Babenberg schenkte dem Stift Lilienfeld bei der Gründung im Jahre 1202 auch einige Weingärten in Pfaffstätten. Das Weingut, von dem aus diese Weingärten seit Jahrhunderten betreut werden, ist auch heute im Besitz des Stiftes Lilienfeld. Klostereigene Weine können an der Stiftspforte der Zisterzienserabtei Lilienfeld gekauft werden.

Das Stift St. Lambrecht besitzt ein kleines Weingut an der südsteirischen Weinstraße in Obegg bei Spielfeld. Welschriesling, Weißburgunder und Zweigelt aus diesem Weingut sind im Klosterladen St. Lambrecht erhältlich. Dort werden auch Edelbrände aus heimischen Obstsorten angeboten: Birnenbrand, Vogelbeer- und Hollerbrand.

Das Zisterzienserstift Zwettl hat das klostereigene Stiftsweingut im Schloss Gobelsburg, eines der traditionsreichsten Weingüter des unteren Kamptals, dessen Weinbaugeschichte bis ins 12. Jahrhundert zurückreicht.

Natürlich gibt es noch viel mehr Stifte und Klöster, die noch heute alte Weintraditionen pflegen und hervorragende Tropfen – nicht nur für sich alleine – keltern.

Autor: Anita Arneitz

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