Der Allrounder

Anis

Anis besticht vor allem durch eine Eigenschaft: Die Pflanze aus dem östlichen Mittelmeerraum, die heute weltweit in Gebieten mit gemäßigtem Klima angebaut wird, ist eine Vielkönnerin. Während Anis in unseren Breiten vor allem zum Backen - und vor allem in der Weihnachtszeit - verwendet wird, wissen die Griechen, Franzosen und Türken sie etwas deftiger einzusetzen.

Ouzo, Absinth, Pastis, Sambuca und Raki bekommen durch Anis eine ganz besondere Note. Und damit die Kinder auch etwas davon haben: So manche Süßwaren sind zart mit Anis gewürzt. Die Angler wissen zudem, dass mit Anis verfeinerte Köder Karpfen an den Haken locken - während man beim Herausbraten des Fisches das Gewürz besser weglässt.

Wer einmal nach zu viel Essen gekrümmt auf dem Sofa lag, weiß nach dem Genuss von Anistee dessen krampflösende Wirkung zu schätzen. Anis-Öl wiederum wirkt schleimlösend und hilft gegen Husten. Gegen Koliken, Verdauungsbeschwerden, Blähungen und Koliken ist also zum Glück ein Kraut gewachsen, das einem in der Regel die Einnahme unnötiger Medikamente erspart.

Auf der ganzen Welt verwendet
Das süß-blumige Aroma kommt durch das ätherische Öl der Anisfrüchte zustande, vor allem durch seinen Hauptbestandteil Anethol. Doch nicht immer und überall ist Anis erhältlich oder erschwinglich: In der fernöstlichen Küche haben billigere Gewürze wie Sternanis oder Fenchel den Anis mittlerweile verdrängt, weil sie einen sehr ähnlichen Geschmack entfalten. Mexikanische Köche wiederum greifen gelegentlich zum Winterestragon oder zum mexikanischen Pfefferblatt, wenn sie nach einem geeigneten Ersatz suchen. Sternanis ist übrigens nicht verwandt mit Anis!

Anistee und Anis-Öl
Die Zubereitung von Anistee (er hilft vor allem bei Blähungen) ist einfach und zeitsparend: Ein Esslöffel einer Teemischung aus jeweils 40 Gramm Anis- und Fenchelfrüchte und 20 Gramm Kamillen-Blüten aufbrühen, rund eine Viertelstunde ziehen lassen und in kleinen Schlucken trinken. Der Tee kann und soll besonders bei Säuglingen und Kleinkindern verabreicht werden. Bei einer Erkältung empfiehlt sich ein Glas heißer Milch mit einigen Tropfen Anisöl (und Honig nach Geschmack). Die aus dem Glas aufsteigenden Dämpfe des ätherischen Öls tief inhalieren, nicht zuletzt weil Lungen das Anethol nach der Einnahme wieder ausscheiden, sodass der Wirkstoff die Lungenbläschen und Bronchien von innen „behandelt“. Und auch Anis-Öl ist rasch hergestellt: Man benötigt dazu lediglich 5 Gramm Anis-Samen, 5 Gramm Fenchel-Samen und 110 ml Pflanzenöl. Anis und Fenchel werden im Mörser etwas zerstoßen, damit sich die ätherischen Öle besser lösen können. Danach werden Samen und Pflanzenöl gemischt, sind aber nicht gleich verwendbar. Die Mischung sollte ein bis sechs Wochen an einem warmen Platz ziehen können, danach wird sie mit einem Kaffeefilter abgesiehen, in eine dunkle Flasche gefüllt und verschlossen. Das Öl kann bei Beschwerden im Uhrzeigersinn in den Bauch einmassiert werden und hilft wie der Tee gegen Blähungen.

Anis und die Liebe
Und noch ein kleiner Tipp zum Schluss: Anis, so heißt es, soll auch aphrodisierende Wirkung haben. Das wussten vor allem die Damen auf dem Land, die ihren Männern nach der Feldarbeit im Herbst anishaltige Getränke zubereiteten. Probieren Sie es doch einfach aus. Und, liebe Männer, warten Sie nicht, bis Sie Anishaltiges serviert bekommen, sondern reichen Sie Ihrer Holden einmal solch wunderliches Zaubergetränk! Oder Sie trinken gleich beide davon. Dann garantieren wir aber für nichts mehr!

Autor: Ernst Grabovszki

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